Preisträgerin Gerda Saupe aus Erfurt

Unsere Laudatio für Frau Gerda Saupe:

Für den dänischen Märchendichter Hans Christian Andersen, den jeder hier im Saal kennt, stand fest: "Das wunderbarste Märchen ist das Leben selbst."

Eines dieser wunderbaren Märchen hat das Leben in Erfurt geschrieben. Es handelt im Süden der Stadt im Dichterviertel, und seine Heldin ist eine echte Märchenoma im stolzen Alter von 96 Jahren. Ihr Name: Gerda Saupe. Sie lebt in einem Haus für betreutes Wohnen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Dort schätzt man ihre hellwache, gesellige und humorvolle Art.

Zur geliebten Märchenoma wurde sie, als 2013 praktisch vor ihrer Haustür die ASB-Kindertagesstätte Steigerburg öffnete. Die kleinen und großen Nachbarn lernten einander kennen und es wuchs dabei der Wunsch, mit den Kindern etwas zu unternehmen, das ihnen Freude bereitet. Das Zauberwort war bald gefunden. Es hieß Märchen. Und so kam es, dass Gerda Saupes neuer Lieblingsort die Steigerburg wurde und sie selbst dort der Lieblingsgast der Kinder.

"Unsere Märchenoma" sagen begeistert die Mädchen und Jungen. Sie nennt sie ihrerseits liebevoll "meine kleine Gesellschaft". Die Märchenoma von nebenan liest den Kindern aber nicht aus dicken Büchern vor. Jede Woche erzählt sie ihnen Geschichten von Andersen, Bechstein, den Gebrüdern Grimm und vielen anderen. Sie berücksichtigt dabei die Wünsche der kleinen Zuhörer, spricht ihnen leicht einprägsame Verse vor und ermutigt sie zum Verkleiden, Mitspielen und Verändern. Viel Spaß macht es auch, wenn alle gemeinsam lustige Lieder singen.

Nicht selten wird aus der Märchenoma auch die Uroma Gerda, die den neugierigen Kindern davon berichtet, wie das Leben in früheren Zeiten gewesen ist. Zum Abschluss gibt es immer kleine Geschenke von ihr, ein Fingerpüppchen, Körbchen und Täubchen oder einen goldenen Taler.

Im Übrigem ist nicht nur die Steigerburg ein guter Märchenort. Die Märchenoma und ihre Kinder konnte man bereits auf der Fuchsfarm im Erfurter Steiger beim Märchenspiel erleben, ebenso im Altenheim.

Regelmäßig Märchen erzählen, ohne Buch, ohne Hilfe, nur aus dem Gedächtnis - manch Jüngerer im Saal wird sich jetzt vielleicht zweifelnd fragen, ob er das überhaupt könnte, was der 96jährigen Märchenoma so gut gelingt. Gerda Saupe, die immer ein aktiver Mensch war, sagt, dass sie sich auf ihr Langzeitgedächtnis verlassen könne. Der Fundus ist groß. Schließlich war sie früher Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung.

Gerda Saupe ist glücklich, dass sie sich im hohen Alter in so fröhlicher Gesellschaft befindet  und hat diese in ihr Herz geschlossen. Sie gibt den Kindern viel und die Kinder geben ihr viel zurück. Die Märchenoma lobt in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Erzieherinnen. "Das passt hier alles wunderbar", sagt sie.

Und auch das passt: Mit ihrem Engagement hat sie inzwischen mehrere Mitbewohner überzeugt, dass es sich lohnt und jung hält, mit den Kindern  eine schöne Zeit zu verbringen.

Wir gratulieren herzlich der Märchenoma und ältesten Ehrenamtlichen Thüringens Gerda Saupe!

Laudatorin: Ministerin Heike Werner


Preisträger Hermann Mäder aus Neuhaus-Schierschnitz

Unsere Laudatio für Herrn Hermann Mäder:

Ein altes Sprichwort lautet: Der Schreiber setzt seine Seele ins Tintenfass.

Hermann Mäder aus Neuhaus-Schierschnitz, der heute 92 ist, hat sein Leben lang geschrieben. Gedichte, Erzählungen, Erinnerungen. Beginnen wir deshalb mit einem Blick auf seine Seele, mit einem seiner Gedichte: 

Um die Schmerzen zu vertreiben, 
in der Liebe nicht zu leiden, 
in schweren Tagen nicht zu zerbrechen, 
in frohen Tagen nicht zu zechen, 
damit Gedanken nicht versiegen 
und sich selbst nicht zu belügen, 
tret` ich die Natur mit Absicht nicht mit Füßen, 
sondern erhell sie mit meinem Geist, 
damit die Menschheit auch begreift, 
dass wir Menschen nicht alleine leben. 

In wenigen Worten zieht hier ein ganzes Leben an uns vorbei. Ein bewegtes Leben.

Als junger Mann erfuhr Hermann Mäder am eigenen Leib das Grauen des Zweiten Weltkriegs. Denn in der Blüte des Lebens, mit 18 Jahren, verlor er bei einem Granaten-Angriff sein rechtes Bein. So sehr ihn das prägte und veränderte, verlor er doch nie seinen Lebensmut, seinen Glauben an das Gute und das Schöne.

Er fand im Porzellanwerk Neuhaus Arbeit und in der Freizeit Erfüllung beim Schreiben. Zwar blieben die Erinnerungen an den Krieg seine ständigen Begleiter, aber unterkriegen ließ er sich von ihnen nicht. Im Leben wie in seinen Texten begegnet uns ein Mann, der anderen immer wieder viel Kraft und Freude zu geben vermag.

Seine Gedichte und Erzählungen, veröffentlicht in Tageszeitungen oder Journalen, handeln von Liebe und Glück, von schutzbedürftiger Natur und Heimat, von Hoffnung, Sehnsucht und Zufriedenheit. Seine literarischen Erkundungen der kleinen und der großen Welt bereicherten viele Veranstaltungen, Musikfeste, Jubiläen oder Brigadefeiern. Eine große Freude war ihm die Vertonung seiner Verse „Mei Neuhaus sei gepriesen“. Der Musikverein seiner Heimatstadt Neuhaus-Schierschnitz spielt es regelmäßig auf Volksfesten.

Immerhin sechs Bücher umfasst heute die Mäder-Gesamtausgabe. Besonders stolz ist er auf seinen Gedichtband „Wenn mich die Sehnsucht plagt, komm ich zu dir“. Aus diesem Buch, herausgegeben im Jahr 2003, stammen übrigens die eingangs zitierten Verse.

Mit seiner Schreibleidenschaft blieb Hermann Mäder nicht allein für sich im stillen Kämmerlein. Er traf auf Gleichgesinnte in Südthüringen und gründete mit ihnen die Schreibgruppe „Von Senioren für Senioren“ im Seniorenbüro Sonneberg der Diakonischen Sozialen Dienste.

Neben dem Schreiben hat Hermann Mäder noch eine zweite lebenslange Freizeit-Leidenschaft: das Angeln. Es bot ihm immer wieder Ruhe und Entspannung. Hier fand er seinen inneren Frieden. 1955, da war er noch keine 30 Jahre alt, hob er mit Freunden den örtlichen Angelverein aus der Taufe und  prägte dessen Geschichte über Jahrzehnte wie kein zweiter. Schweren Herzens musste er 2016 nach 61 Jahren sein Mitwirken im Verein aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Dass wir Menschen, wie es im Gedicht heißt, nicht allein leben, dafür steht der Autor  mit seinem Wort und seinem Leben. Dafür danken wir ihm. 

Wir gratulieren herzlich Hermann Mäder!

 

Laudator: Christian Kipper / Stiftung Deutsches Hilfswerk, Deutsche Fernsehlotterie gemeinnützige GmbH